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Acht TVO-Sportler setzten Odenheimer Bergsteigertradition fort
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(ps.)
Dass die Odenheimer schon immer einen besonderen Bezug zu den Bergen
haben bewies bereits in den 30er Jahren Dr. Günther Hepp bei seinen
vielen Expeditionen (u.a. Nanga Parbat) sehr eindrucksvoll. Nun, ganz so
hoch wie der historische Bergsteiger wollten die Sportler der Abteilung
Freizeitsport des TV Odenheim doch nicht hinaus, aber dennoch brachte
man kürzlich die dritte Bergtour in Folge in den österreichischen
Alpen äußerst erfolgreich hinter sich. Unterkunft
und „Basislager“ in diesem Jahr war einmal mehr die in 1400 m Höhe
gelegene „Stelzer-Berghütte“, im vorarlbergischen Montafon, auf dem
Kristberg des Silbertales. Bei dem sechstägigen Aufenthalt standen für
die achtköpfige Bergsteiger-Crew insgesamt drei sehr anspruchsvolle
Bergtouren an, die auch allesamt durchgeführt wurden. TVO-Bergführer
Reimund Bott achtete bei der Planung sehr darauf, dass die zu
absolvierenden Touren leistungsmäßig und kontinuierlich aufeinander
aufgebaut waren. Bereits
mittwochs führte die erste Tour die Freizeitkraxler
auf den weit entfernten Gipfel des 2074m hohen „Mutjöchle“.
Dieser Berg wäre vor drei Jahren sicherlich noch die
Höchstgrenze der „Kraxler“ gewesen. Vorbei an zauberhaften Almen,
blühenden Gräsern, weidenden Kühen und einem der höchstgelegenen
Hochmoore Europas (1550m) wurde das Gipfelkreuz in Rekordzeit erstürmt
und man konnte nachmittags wieder wohlbehalten ins „Basislager“
zurückkehren.
Am
nächsten Tag ging es bereits etwas höher hinaus. Deshalb fuhr man mit
der „Golmer Bergbahn“ bei Tschagguns auf ca. 1800m, ehe man von dort
aus einen steilen und anspruchsvollen Anstieg auf das „Golmer Joch“
in 2124m Höhe bewältigte. Dies bedeutete aber noch nicht das Ende für
diesen Tag. Nach einer kurzen Pause stieg man nochmals um 210
Höhenmeter auf, um schliesslich die 2334m hohe „Geißspitze“ im
Rätikon zu erreichen. Dort oben genossen die Odenheimer ein sehr
eindrucksvolles Panorama, ehe das Team sich an den Abstieg zu der 1763m
hoch gelegenen „Lindauer Hütte“ machte. Auch diese zweite Tour wurde erfolgreich absolviert, obgleich
sich und wohl auch im Hinblick auf den nächsten Kraftakt der dritten
Tour, nun doch einige Ausfallerscheinungen ergaben. Diese
Ausfallerscheinungen waren jedoch keinesfalls konditionell bedingt,
sondern waren die Folge von Überbelastungen an diversen Sehnen,
Bändern und Kniegelenken. Die Sportler, weitgehend bestehend aus
ehemaligen Handballspielern des TVO und HCO, zählen mit ihren 41 bis 55
Jahren eben auch nicht mehr zu den ganz jüngsten Akteuren und da kommen
solche Handicaps natürlich vor. So entschieden sich drei der
Bergsteiger für die Nichtteilnahme an der dritten und schwierigsten
Tour. Diese Entscheidung war aber absolut richtig
und vernünftig, da bei solchen Extrembelastungen nur das getan werden
sollte, was sich jeder zutrauen kann. Eine Fehleinschätzung hätte hier
fatale Folgen. Bereits
auf fünf Uhr in der Frühe wurde der pünktliche Abmarsch terminiert.
Mit Reimund Bott, Tobias Kirmse, Dieter Holzwarth, Volker Wormer (mit
gebrochenem Fußzehen) und Peter Schuhmacher startete ein erfahrenes und
entschlossenes Team zu ihrem Tagesziel. Insgesamt ging es über ca. 35
Längenkilometer und sage und schreibe 1600 echten Höhenmeter. Nach ca.
8 km erreichte man den Fuß der zu erklimmenden „Silbertaler Lobspitze“.
Dort am „Fellimännle“ tankte man in Form von Elektrolytgetränken
nochmals Kraft, denn der schwierigste Teil des Vorhabens lag noch vor
den Gipfelstürmern. Vom „Fellimännle“ aus folgte ein steiler
Aufstieg auf die 1800m hohe „Gretschalpe“. An der „Gretschalpe“
füllte man nochmals die Wasservorräte auf, denn ab dort ging es nun
wirklich ans Eingemachte. Ein knallharter und sehr steiler Aufstieg von
800 Höhenmetern lag vor den Kletterern. Zu Beginn verlief dieser
Aufstieg noch relativ zahm und man konnte sich an den beeindruckenden
Naturschönheiten erfreuen. Da
waren glasklare Gebirgsbäche, riesige Ansammlungen blühender
Alpenrosen, blaublühender Enzian, kristallklare Gebirgsseen, aber auch
Murmeltiere und zahlreiche Gemsrudel zu sehen. Alles verpackt in einer
atemberaubenden Landschaft. Ab ca. 2200m Höhe jedoch änderte sich die
Gebirgslandschaft in eine große und sehr steile Geröllhalde, die sehr
schwer zu begehen war. Absolute Konzentration war nun gefordert und ein
Fehltritt war nun wirklich nicht mehr erlaubt. In 2300m Höhe, am Ende
des Geröllfeldes, lag der Einstieg in einen über 200m hohen Kamin, der
zeitweise nur mit dem gleichzeitigen Klettereinsatz von Händen und
Beinen (dem Bergsteiger-Allrad) zu bewältigen war. Am Eingang diese
Kamins gab es ein „Reifenwechsel“ der besonderen Art. Volker Wormers
Bergschuhe, ein italienisches Modell, lösten sich plötzlich in
Wohlgefallen auf und an ein Weiterklettern war nicht zu denken.
Gottseidank hatte man aber vorgesorgt und passende Ersatzschuhe dabei.
So konnte es weitergehen. Nun wurde auch die Luft zunehmend dünner und
die Intervalle der Verschnaufpausen gleichzeitig kürzer. Am Ende des
Kamins stieß man auf einen steilen und sehr schmalen Grad, auf dem es
beiderseits ca. 250m in die Tiefe ging. Aber auch diese Hürde wurde
schließlich genommen und um 10.45 Uhr war es endlich soweit.
Erschöpft, glücklich und zufrieden erreichte man das Gipfelkreuz in
2605m Höhe und trug sich in das Gipfelbuch ein. Mit einem kräftigen
„Berg-Heil“ beglückwünschte man sich gegenseitig und natürlich
durfte auch das Gipfelfoto nicht fehlen. Nein, auf diesem Gipfel sah man
keine Touristen mehr und jedem war damit klar, dass dieser Aufstieg auf
die „Lobspitze“ eine sportliche Leistung der ganz besonderen Art
war. Leider konnte man nicht lange am Gipfel verweilen, da es dort wegen
des starken Windes und aufkommenden Wolken zu einem Temperatursturz auf
ca. 7° Grad C. kam (Gretschalpe ca. 20 ° C.) Es wurde nun recht
ungemütlich und man hatte ja auch noch einen harten Abstieg vor sich.
Die Kondition und Konzentration durfte keinesfalls nachlassen.
Den „inneren Schweinehund“ überwindend ließ die Kondition
auch nicht nach und nachmittags um 15 Uhr kehrte man, wenn auch „sehr
platt“, in die
Silbertaler Hütte zurück. Dort hatten sich die zurückgebliebenen
Franz Wacker, Martin Geisert und Hermann Laub inzwischen etwas
auskuriert und empfingen die „Lobspitzler“ sehr erfreut. Sie hatten
in der Zwischenzeit aber auch wichtige Einkäufe getätigt und die
Unterkunft auf Vordermann gebracht. Tobias
Kirmse, der kürzlich, neben bereits vielen anderen Bergen, die „Zugspitze
erklommen hatte, schätzte die vollbrachte Leistung auf die „Silbertaler
Lobspitze“ wesentlich stärker ein, als die Leistung, die er bei
seinem Aufstieg auf die „Zugspitze“ zu bewältigen hatte. Spontan
funkelte nach dieser Aussage, zumindest bei einigen, das Gipfelkreuz von
Deutschlands höchstem Berg in den Augen.
Abteilungsleiter Peter Schuhmacher zeigte sich am Ende der sehr gelungenen Bergtour über das sportliche wie kameradschaftliche Niveau seiner Mannschaft mehr als erfreut und muss sich bei so einer homogenen Truppe wirklich keine Sorgen um die Zukunft dieser Abteilung machen. Einen besonderen Dank widmete er Bergführer und „3-Sterne“-Koch Reimund Bott und dessen Assistenten Tobias Kirmse für Ihr tolles Engagement in der Planung und Durchführung der Tour. Für die hervorragende logistische Unterstützung übermittelte er bereits im Vorfeld persönlich ein dickes Dankeschön an Herrn Wolfgang Friedrich, den Chef der Odenheimer Metzgerei Friedrich. Die „Odama Friedrichworschd“ trug nicht zuletzt auch dazu bei, dass die Odenheimer Crew immer gestärkt und heil ans Ziel kam. Ein weiteres Dankeschön richtete er an die Firma Mercedes-Bürkle in Münzesheim für ihre fahrbare Hilfe bei der diesjährigen Alpentour.
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